Zum Begriff der Geisteswissenschaft

 

Beim Verfassen dieser Seiten war es für die Beantwortung wesentlicher Fragen hilfreich, neben der Literatur aus den Gebieten der Ägyptologie, der Kunstgeschichte und der Archäologie die moderne Biophysik, Forschungsarbeiten zu Fragen der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins im Laufe der Geschichte sowie die „Geisteswissenschaft“ von Dr. Rudolf Steiner 1 ) mit heranzuziehen.    

     Unter „Geisteswissenschaft“ 2) wird die Erforschung der geistigen Vorgänge im Menschenleben und im Kosmos verstanden, die auch in der materiellen Welt der Erscheinungsformen wirken. Meiner Überzeugung nach ist die Geisteswissenschaft unverzichtbare Ergänzung einer häufig ausschließlich materialistisch orientierten Wissenschaft. 3 )    

     Geistesforscher wie Steiner nutzen zur Erforschung der den leiblichen Sinnen nicht zugänglichen Bereiche der geistigen Wirklichkeit Erkenntnismethoden der übersinnlichen Wahrnehmung. Dabei stellt die Geisteswissenschaft in Bezug auf Genauigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Forschung an sich ebenso hohe Ansprüche wie die Naturwissenschaften.

     Da durch übersinnliche Wahrnehmung erworbene Informationen nicht immer frei von persönlichen Färbungen des Übermittlers sind, ist die kritische Einstellung des modernen Menschen verständlich. Es sollte uns jedoch zu denken geben, was der Kulturhistoriker Egon Friedell geschrieben hat: „Es ist doch bemerkenswert, daß die historischen Geheimlehren seit Jahrtausenden miteinander übereinstimmen, während die Geschichtsforschung schon in einem einzigen Jahrhundert erheblichen Wandlungen unterworfen ist.“ 4)

     In der Tat ist es höchst aufschlußreich mitzuerleben, daß die Aussagen von Geisteswissenschaftlern und übersinnlich Wahrnehmenden wie Steiner vielfach durch neuere empirisch ermittelte Befunde der neueren Geschichts- und Naturwissenschaften bestätigt werden.

     Ich habe geisteswissenschaftliche Aussagen genutzt, wenn sie – vorurteilsfreies Denken vorausgesetzt – in sich kongruent und einsichtig sind. So können sie auch für kritische Leser brauchbare Hypothesen für bislang offene oder nur unbefriedigend beantwortete Fragen abgeben.

     Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei an dieser Stelle angemerkt, daß, wenn von den Bereichen der Seele und des Geistes gesprochen wird, räumliche Begriffe wie „höher“, „tiefer“ usw. nur Hilfsbegriffe sind und nicht als tatsächlich räumlich aufgefaßt werden sollten. So darf man sich „höhere geistige Welten“ z.B. nicht so vorstellen, als seien sie irgendwo oberhalb unserer irdischen Sphäre angesiedelt. Sie sind vielmehr überall, auch innerhalb unseres irdischen Lebensraumes. Nur sind sie mit den gewöhnlichen Körpersinnen nicht wahrnehmbar.

Anmerkungen

1) Rudolf Steiner (1861-1925), Begründer der Anthroposophie

    Zu Leben und Werk Rudolf Steiners siehe:

    Christoph Lindenberg, Rudolf Steiner, Reinbek 1992

   Gerhard Wehr , Rudolf Steiner. Leben, Erkenntnis,
    Kulturimpuls,  Zürich 1993

    Colin Wilson, Rudolf Steiner, München 1985

    F.W.Zeylans van Emmichoven, Rudolf Steiner, Stuttgart o.J.
     (zurück zum Text)

2) Rudolf Steiner gebrauchte das Wort gleichbedeutend mit
    Anthroposophie. Sein Begriff der  Geisteswissenschaft ist zu
    unterscheiden von dem, was gemeinhin - in Abgrenzung zu
    den Naturwissenschaften - als Geisteswissenschaft verstan-
    den wird: nämlich Sozialwissenschaft, Psychologie, Philo-
    sophie usw.
(zurück zum Text)

3) Siehe hierzu:

    Ernst Lehrs, Mensch und Materie, Frankfurt/M. 1987

    George Adams , Grundlagen der Naturwissenschaft, Stuttgart
    1979

    Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang, Frankfurt/M.
    1995

   Erich Jantsch, Die Selbstorganisation des Universums,
    München 1982

    Fritjof Capra , Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild,
    München 1988

    Rudolf Steiner, Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren
    Welten?, Dornach 1961 ( 11904/5)

   Rudolf Steiner, Theosophie, Dornach 1962 (1 1904)

    Georg Unger , Vom Bilden physikalischer Begriffe, Band I
    1959, Band II 1961, Band III 1967

    Arthur M. Young, The Geometry Of Meaning, Mills Valley
    (CA) 1976
(zurück zum Text)

4) Egon Friedell, Kulturgeschichte Ägyptens und des Alten
    Orients, München 1984, S.42
(zurück zum Text)

 

      Home                    Vorherige Seite                   Nächste Seite